Wahrnehmung entfremdeter Realitäten

Es existieren zahlreiche Versuche, die beweisen, dass sich unser Auge optisch täuschen lässt und wir das, was wir sehen, mit schon uns Bekanntem automatisch vergleichen, um es besser einordnen zu können. Die Idee meines Projektes besteht darin, der Bevölkerung Gegenstände der Freiwilligen Feuerwehr zu zeigen, die für sie als außenstehende völlig fremd sind. Wird allgemein der Begriff Feuerwehr in den Raum geworfen, hat jeder von uns ein typisches Bild vor Augen: Feuerwehrmann/frau hält einen Schlauch fest, um das Feuer zu löschen. Viele Gerätschaften, die mindestens genau so wichtig sind, gelangen aber so offensichtlich nie zum Vorschein und sind deswegen der Allgemeinheit nicht bekannt oder werden mit der Feuerwehr in Verbindung gebracht. Gerade diese möchte ich mit meinen Bildern präsentieren. Die abgebildeten Objekte werden dabei aber nicht als alltägliche Objektfotografie festgehalten, sondern thematisch aus dem Kontext gezogen. Für mich sind die Gerätschaften der Feuerwehr schon immer nicht einfach nur sehr nützliche und hilfreiche Werkzeuge gewesen, sondern verkörperten eine Ästhetik, die mir die Lust und Freude auch daran bereitete mit den Gegenständen praktisch zu arbeiten. Genau diese Haptik sollten meine Bilder auf jeden Fall ausdrücken. Ich präsentiere in meinen Bildern aber nicht das ganze vollständige Objekt, sondern lenke meinen Fokus auf einen bestimmten Ausschnitt, der die Eigenschaft und den Charakter jedes einzelnen Gegenstandes am besten wiederspiegelt. Mithilfe des schwarzen Hintergrunds entsteht ein starker Kontrast hinsichtlich der Farben. Dieser Kontrast unterstützt jedoch die Aussage meiner Fotografien, denn so rückt das gezeigte Objekt durch die Farbigkeit nochmals mehr in den Vordergrund. Es präsentiert sich selbst.  In den Bildern steckt aber viel mehr als nur ein Ausschnitt eines Objektes, den das menschliche Auge beim Betrachten wahrnimmt. Die Auswahl der Geräte legt Wert darauf, Gegenstände zu nehmen, die durch ihre Farbigkeit und Struktur nicht direkt der Feuerwehr zugeordnet werden können. Mein Ziel ist es, dem Betrachter einen gewissen Interpretationsspielraum zu bieten. Also nicht direkt das gesichtete Objekt mit der Feuerwehr in Verbindung zu bringen. Die Geräte könnten also auch genau so gut aus einem anderen technischen Bereich stammen. Somit liegt der Fokus in meiner Serie auf der Schönheit, der Struktur und der Funktionalität der einzelnen Gerätschaften; losgelöst aus ihrem praktischen Verwendungsraum. Einige Bilder könnten sogar durch ihr optisches Auftreten als Bildpaar wahrgenommen werden. Ich bediene mich denselben Stilmitteln, die die Fotografen in der „Neuen Sachlichkeit“ anwandten, nämlich den Fokus auf das Wesentlichen zu legen; in dem gesehenem Gegenstand eine Schönheit, Ästhetik zu entdecken, die es gilt auf eine künstlerische Art und Weise in den Vordergrund zu stellen.